Leser #21: Infokrieger bald in chinesischem Knast?

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Es ist wirklich skandalös, was John Hartigan, CEO von News Limited bei seiner Rede vor dem australischen National Press Club sagte. Wirklich? Nein, natürlich nicht. Aber wenn man wie ein Infokrieger nur die Hälfte mitbekommt und diese auch noch falsch verstehen will, dann schon. Laut prisonplanet.com und einem renommierten deutschen Übersetzungportal meinte er nämlich „implizit, dass Blogger eingesperrt werden sollten wie es für Polizeistaaten wie China oder Burma üblich ist.“ Implizit wohlgemerkt, vorallem dann, wenn man ein großes Verständnisproblem hat. In Wahrheit™ berief er sich nämlich auf Autor Andrew Keen, der in seinem Buch „Die Stunde der Stümper. Wie wir im Internet unsere Kultur zerstören“ (Originaltitel: The Cult of the Amateur“) – vollkommen berechtigt übrigens – anmerkte, dass Blogger im Gegensatz zu professionellen Journalisten für ihre Arbeit nicht ins Gefängnis gehen.

Nehmen wir doch als Beispiel einen aktuellen Fall aus Deutschland. Ein scheinbar debiler Antisemit wird wegen Volksverhetzung angezeigt, sein Blog durch das LKA gesperrt. Sollte es einem professionellen Journalisten tatsächlich gelingen, derartiges zu publizieren, dann hätte er jetzt ein großes Problem, wäre arbeitslos und das entsprechende Medium müsste sich durch seine Redaktionsleitung juristisch verantworten. Was macht aber der mutmaßlich arbeitslose Vollzeitblogger? Er zieht mit seinem Blog nach Russland und sieht sich als Opfer der zionistischen Weltverschwörung.

Aber es sind doch wirklich harte Worte, die die Infokrieger da aus Hartigans Mund hören: „Blogs und eine große Anzahl an kommentierenden Seiten spezialisieren sich auf politischen Extremismus und persönliche Herabwürdigung. Radikale, breitgefasste Aussagen ohne Belege sind die Norm.“ Das ist natürlich inkorrekt. „Politik global“, „Schall & Rauch“, „Infokrieg“ etc. pp. sind, wie wir alle wissen, politisch neutrale Qualitätsmedien, die sich nur auf seriöse Quellen berufen. Und dann spricht Hartigan sogar noch mehr Wahrheit™ aus, die den Wahrheitssuchenden™ nicht schmeckt: „Guter Journalismus ist teuer“. Wie wahr, doch ob das nun ein Grund ist für Jones oder Benesch zu spenden? Zwei Wörter lässt er in seiner Rede nicht fallen: China und Burma.

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Eine Antwort to “Leser #21: Infokrieger bald in chinesischem Knast?”

  1. mrbaracuda Says:

    Ich kann jedem nur empfehlen, die Rede von Hartigan zu lesen. Wie Recht er doch hat. Danke Leser #21! 🙂

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